Renaissance des Protektionismus als Chance für Lateinamerika?

Buenos Aires/Mexiko-Stadt (dpa) - «America first» heißt der wichtigste Leitsatz von US-Präsident Donald Trump. Von internationalen Abkommen hält er wenig, bei den Handelsbeziehungen mit anderen Ländern ziehen die USA nach seiner Auffassung immer den Kürzeren. Aber der neue Protektionismus könnte auch eine Chance für Lateinamerika sein.

Wie steht Trump zum Freihandel?

Äußerst kritisch. Er glaubt, dass die USA bei solchen Abkommen benachteiligt werden und Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten verloren gehen. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada und Mexiko bezeichnete er als «schlechtesten Deal aller Zeiten». Jetzt soll der Vertrag neu verhandelt werden.

Werden die USA tatsächlich über den Tisch gezogen?

Die meisten Experten sehen das nicht so. Freihandelsabkommen kurbeln meist den Warenaustausch an und sorgen für mehr Geschäfte. Seit dem Nafta-Inkrafttreten haben sich die US-Exporte nach Mexiko versechsfacht, die mexikanischen Importe in die USA mehr als versiebenfacht. Allerdings können einige Branchen tatsächlich unter der billigeren Konkurrenz leiden, andere profitieren hingegen. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses urteilt: «Der Netto-Effekt von Nafta für die US-Wirtschaft scheint relativ moderat zu sein.»

Was bedeutet die neue Skepsis der USA gegenüber dem Freihandel für die Region?

Sollten den markigen Worten aus Washington Taten folgen, wäre das für Lateinamerika zunächst einmal schlecht. Viele Länder der Region sind wirtschaftlich stark auf die USA ausgerichtet. So gehen 80 Prozent der Exporte aus Mexiko in die USA. Für Brasilien sind die USA das zweitwichtigste Exportland, für Argentinien das drittwichtigste mit rund 10 Prozent des Handelsaustausches. Für das aufstrebende Kolumbien sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Handelspartner.

Wie reagiert Lateinamerika auf den neuen Protektionismus der USA?

Nach Einschätzung von Experten könnte ein Ende der einseitigen Ausrichtung auf die USA auch Chancen für die Region bieten. Mexiko will nun seine Wirtschaftsbeziehungen diversifizieren und den Handel mit Europa und Lateinamerika stärken. Es hat Freihandelsabkommen mit über 40 Ländern unterzeichnet. Nach Einschätzung von Analysten schöpft es das Potenzial aber bislang kaum aus. Die Pazifik-Allianz aus Chile, Kolumbien, Peru und Mexiko sucht vor allem in Asien neue Geschäftspartner. Auch Argentinien sucht den Anschluss nach Asien.

Welche Chancen bietet die Neuausrichtung für Europa?

Von einem Ende der wirtschaftlichen Dominanz der USA in Lateinamerika könnten auch Deutschland und Europa profitieren. «Wir stehen bereit, den Freihandel mit Mexiko auszubauen», sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) zuletzt. Derzeit wird das seit 2000 bestehende Freihandelsabkommen zwischen Mexiko und der EU aktualisiert. Noch in diesem Jahr soll das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Wirtschaftsbund Mercosur mit Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela zum Abschluss gebracht werden.

(Bild: tinakayser/pixelio.de)



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